«Heute Hui, morgen Pfui»

Deftig-barocke Lebenspredigten von Abraham a Sancta Clara


… Zum einen, weil Vera Bauer und Christoph Greuter so leidenschaftlich, kunstvoll, beseelt, charmant und in immenser gegenseitiger Abgestimmtheit agierten; zum andern, weil viele Geschehnisse ohne nennenswerte Probleme
in unsere heutige, nicht immer gleichermassen ab- und aufgeklärte Zeit
übertragen werden können. So waren Hinhören und Mitverfolgen eine gar
vergnügliche Angelegenheit. Vera Bauer … agierte so kunstreich, mit den
Texten spielend, Leidenschaften heraufbeschwörend, spürbar mitfühlend,
wenn es das Schicksal mit den dargestellten Figuren gar schlecht meinte,
über Tölpelhaftes lachend, Unbeholfenheiten maliziös aufzeigend – ihr Schildern
gedieh zum Genuss. Christoph Greuters Spielkunst war von stiller Leidenschaft,
hoher inhaltlicher Reife, Tanz, Verharren, Lautmalerischem geprägt.
Er drückte gar vieles enorm stimmungsvoll aus, passend zum textlichen
Sturm und Drang. Man freute sich über die launigen Inhalte, genoss mit,
schmunzelte, lachte.


glarus24.ch

Lebenskunst genialer Pessimisten

Wilhelm Busch und Arthur Schopenhauer

Charles Linsmayer, Literatur- und Theaterkritiker, www. theaterkritik.ch


... gezupft und gestrichen und mit einer Mimik und einer Körpersprache

visualisiert, die mal der Belustigung Raum gibt, mal etwas Verschmitzt-

Sarkastisches offenbart, um schliesslich, wenn sie mit grossen Augen wie durch

ein Fenster hinter dem Instrument hervorblickt, die naive Ahnungslosigkeit in

Person vor das aufmerksam lauschende und zunehmend hingerissene Publikum

hinzuzaubern ... (dem) nebst dem optisch-musikalischen auch ein nicht

geringes intellektuelles Vergnügen geboten wird.


Den roten Faden liefert dabei Wilhelm Buschs Bildergeschichte "Balduin

Bählamm, der verhinderte Dichter" ... und es ist fast schon ein Wunder,

wie es der Rezitatorin gelingt, die grotesken Abenteuer des vom Pech

verfolgten Möchtegernpoeten mit ihrer wunderbar klaren, rhythmisch

sicheren Artikulation und ihrer vitalen Mimik auch ohne die dazugehörigen

Zeichnungen nachvollziehbar zu machen. Jedesmal aber, wenn der

gute Bählamm wieder um eine Erfahrung reicher ist, treibt die träfe

schopenhauersche Kommentierung die Erkenntnis pointiert auf die Spitze...

Ludwigsburger Kreiszeitung (D)

... Dank ihrer hervorragenden rhetorischen Fähigkeiten gelingt Bauer das Kunststück, auch Schopenhauers tiefsinnige Betrachtungen über Freundschaft, Glück und das Leben an sich auf unterhaltsame Weise zu vermitteln. Präzise vorgetragen, mit wohldosierter Gestik unterlegt und von virtuosen

Cello-Einsätzen begleitet, erweist sich der Ausflug in die Geisteswelt der beiden Dichter und Denker als ausgesprochen kurzweiliges Vergnügen.

Tobias Hoffmann, Kulturjournalist und Theaterkritiker, www. theaterkritik.ch

... hat man das grosse Vergnügen zu entdecken, wie plastisch Busch in seinen Versen die Szenerie entwickelt, sodass man der Bilder wirklich nicht bedarf.
Allerdings ist da auch noch das Cello, mit dem Vera Bauer die Rezitation
stellenweise zum Hörspiel erweitert. Balduin Bählamm bekommt zwei

musikalische Leitmotive, ein ländlerartig schaukelndes, das seine tapsige und

naive Seite satirisch fasst, und eine melodiöse Romanze, die sein dichterisches

wie auch sein erotisches Sehnen repräsentiert ... Diese Romanze schliesst auch
das sechste Kapitel der Bildergeschichte ab, in dem Bählamm dem Dekolleté

des drallen Bauernmädels Rike zu nahe kommt und eine Ohrfeige erntet, und

verbindet es mit Schopenhauers berühmtem Zitat über die weibliche Schönheit,
die doch nur ein männliches Phantasma des "vom Geschlechtstrieb umnebelten

Intellekts" sei ... (Die) "Wortspur" ist eine einzige "Glücksfährte", in ihrem

Wechsel zwischen der unnachahmlich griffigen Reimkunst Buschs und den
...eleganten und immer wieder in kernige Maximen mündenden Satzperioden

Schopenhauers. Was Vera Bauer hier in Sachen Gedächtnis und

Wortbeherrschung leistet, ist mehr als sportlich. ...

Im Finale dann leitet das Cello uns bei Bählamms Heimkehr im Zug in einer

Mischung aus Bach'schem Präludium und lautmalerischem Rattern schwungvoll

dem Ende zu. Und während Bählamm am Schluss von seiner Frau unsanft

geweckt und an seine bürgerlichen Pflichten erinnert wird, bleibt der Zuschauer

des Programms noch eine Weile auf dieser Glücksfährte der Kleinkunst...

Limmattaler Zeitung

Vera Bauer braucht nicht mehr als einen Hocker und ein Cello, um das Publikum

75 Minuten lang in ihren Bann zu ziehen. In ihrem Programm vereint sie den

Zeichner und Dichter Wilhelm Busch und den scharfzüngigen Philosophen
Schopenhauer, und niemand bezweifelt am Ende der Vorstellung, dass sich

diese beiden bestens ergänzen... Das Cello begleitet und unterstreicht virtuos

die Geschichte, mimt mal das Rattern des Zuges, mal das Ständchen für die

erfolglos Angebetete und kündigt von nahendem neuem Unglück.

... Und doch – oder gerade deshalb – geht man schmunzelnd nach Hause in

der Überzeugung, dass das Leben doch nicht ganz so schlecht und sinnlos

sein kann...

Deine Stimme, die mich umarmt hat

Hilde Domin

« … ein sensibles und mitreissendes Gesamtkunstwerk ... Vera Bauer ging

bei der Poetin auf biographische Spurensuche. Entstanden ist aus dieser

Begegnung ein eindringliches Portrait... Rezitation und Violoncello, die

beiden Stimmen der Vera Bauer, verbanden sich zu einer geglückten Einheit.

Präsent, expressiv, ja atemberaubend war der Gedichtvortrag – jede Zeile,

die die Dichterin aus deutscher Sprache geformt hat, stand dem Hörer

plastisch vor Augen. Ein zweites, noch stärkeres Licht fiel auf Domins Texte

durch die Musik. Mit schwebenden Flageoletts, aufgeregten Pizzicati und

kratzenden Lauten am Steg weckte Vera Bauer den Widerhall der Worte in

ihrem Instrument … »

Bietigheimer Zeitung (D)

« … Das Programm «Deine Stimme, die mich umarmt hat» folgt einem

klugen Aufbau: Bauers Collage aus Dichtung, Prosa und autobiographischen
Texten der 1909 in Köln geborenen Schriftstellerin setzt mitten im Leben
Domins ein. Das Lebensgefühl der Exilierten … steht am Anfang von Bauers
einstündigem Auftritt … Vor diesem Hintergrund entfaltet Bauer verschiedene
Lebensstationen der Dichterin: Kindheit und Flucht, Liebe und Liebesverlust,
schliesslich die Heimkehr. Mit dem Bogen gewinnt sie ihrem Cello ein
beunruhigendes Säuseln ab, das sich zum bedrohlichen Dröhnen steigert.

Sie unterstreicht Domins Worte mit kreischenden Klängen oder hart

gezupften Lauten. Ähnlich wandelbar wie Bauers Spiel des Saiteninstruments

ist auch ihre Stimme … So liess sich an diesem Abend viel von dem spüren,

was Domin selbst 'Lyrik' nennt:

'Das Nichtwort / ausgespannt / zwischen / Wort und Wort.' »
Schwäbisches Tagblatt Tübingen (D)

« … So entsteht ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk ohne Schnörkeleien.

Die zuweilen disharmonischen Celloklänge untermalen Hilde Domins Texte

in ergreifender Weise. Sie führen uns direkt ins Herz der Dichtung ohne zu

verklären und ohne Pathetik. Das Kellertheater erbrachte mit dieser

Vorstellung den Beweis, dass man im Emmental auch mit einem solch ernsten

und anspruchsvollen Programm Anklang findet. Es wurde wieder einmal

deutlich, dass Kunst nicht nur Unterhaltung ist, sondern auch auffordern

kann zum Mit-, Nach- und Weiterdenken.»

Wochen-Zeitung für das Emmental und Entlebuch

« … Das Bühnenbild ist schlicht und eigentlich ist es gar keines. Ein Stuhl

und ein Cello stehen auf einem ausgebreiteten Tuch, das sich nur ganz

wenige Zentimeter vom Boden abhebt...Mehr   ist für den Auftritt von

Vera Bauer nicht notwendig. Denn die ganze Szenerie, die die Theaterfrau

und Musikerin benötigt, baut sich langsam im Kopf des Publikums auf,

beginnt dort zu leben, um dann nachhaltig zu wirken …

Wenn die Schauspielerin in die Rolle Domin schlüpft, ihre Verse und Texte

rezitiert und mit Klängen aus Cello wirkungsvoll verstärkt, verschmelzen

Interpretin und Dargestellte zu einer Person … Es entstehen lebendige

Bilder, die unmittelbar an Gefühle gekoppelt werden und gerade deshalb

von grosser Lebendigkeit sind...Sie sind rar geworden, diese intensiven
und spannungsgeladenen Abende … »

Der Zürcher Oberländer

Ich war ein Suchender und bin es noch

Hermann Hesse

… ausdrucksstark, voller Nuancen, zog sie (Vera Bauer) das Publikum

von Beginn weg in ihren Bann. Hermann Hesses Leben wurde szenenhaft

aufgegriffen. Stimmungen wurden eingefangen, Biografisches mit

Gedichten, Romanausschnitten und Briefen ergänzt.

Vera Bauer und David Goldzycher harmonierten, schufen eine eindrückliche,

faszinierende Stimmung. Sprache und Musik wurden vereint in einer

einzigartigen, perfekt anmutenden Art. Die Seele wurde berührt — etwas,

das Hermann Hesse wohl als Lebensziel für sich in Anspruch nahm …

Und doch ging es eigentlich um ihn als Person, um den Aspekt, wie Hesse

in seinem Jahrhundert als Zeitzeuge steht … Ein Suchender auf der Suche

nach sich selber, ein Reisender in der Zeit – und dieser Zeit gedanklich

wohl immer einen Schritt voraus … Mit seinem Appell, bereit zum Abschied

und zum Neubeginn zu sein, neue Räume zu erforschen und nicht an Altem

hängen zu bleiben, hinterliess er durch Vera Bauers Sprachrohr ein

nachdenkliches, seelisch bereichertes Publikum.

Neues Bülacher Tageblatt

… Es waren intensive 70 Minuten in der bis auf den letzten Platz besetzten

Bibliothek … Philosophisches wechselte sich mit Ironischem, Lyrik wurde

kurzen, karg erzählten Stationen aus Hesses Leben gegenübergestellt …

Die ironische Distanz, die aber immer die verzweifelte Suche nach der

Lebensaufgabe des jungen Hesse durchschimmern lässt, berührte in diesen

Texten ganz besonders. – … eine musikalische Lesung, die unter die Haut ging,

die mit ihrer Vielschichtigkeit noch lange nachklang.

Zürcher Oberländer

Am Samstagabend wurde im Kellertheater von Brig ein fantastischer

Hermann-Hesse-Abend inszeniert. – … sprachlich brillant und musikalisch
überzeugend … Vera Bauer und David Goldzycher lassen einen literarischen
Zauber entstehen … Die einfühlsame, aber gleichwohl mit ironischer Distanz klingende Stimme von Vera Bauer war ein einziger Genuss …

Walliser Bote

« … Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …» Mit diesen berühmten Worten von Hermann Hesse endete dieser künstlerische Hochgenuss im Sigristenkeller.

Zürcher Unterländer

Doch wenn’s um Kopf und Kragen geht

Brecht und Tucholsky

« … eine Interpretin von besonderer Klasse. Mit ihrem engagierten

virtuosen Cellospiel, mal einfühlsam, mal wütend und mit ihrer

geschliffenen, nuancierten Sprache verhilft sie den Balladen,

Liedern, Gedichten, auch Polemiken von Brecht und Tucholsky

zu einer neuen Aktualität. Durch die enorme Bühnenpräsenz …

mit der Vera Bauer auch grosse Säle in ihren Bann schlagen kann,

lässt sie die Zuhörer das Hintergründige der vordergründig zunächst

witzigen Texte entdecken.»

Bieler Tagblatt

«Bauers Rezitation ist von subtilem Charme und geschmeidiger Boshaftigkeit.

Leise Zwischentöne und Augenzwinkern erhalten Raum in ihrem Sprechen,

während sich im Gesang Intonation und Akzent ins Dialektale verlagern, um

inbrünstig zu protestieren oder zu phantasieren.»

Der Landbote Winterthur

«Brecht und Tucholsky… – in ihrer radikalen Ehrlichkeit aktueller denn je.

Das Publikum kam in den Genuss ei-nes subtil durchkomponierten

musikalisch-literarischen Siebengängers … Vera Bauer rezitierte-interpretierte

mit Herzblut und Leidenschaft … spielte und schwieg mit beredter Mimik

und vibrierenden Saiten.»

Surseer Woche

«Nach dem Auftritt … müsste man fast annehmen, dass diese Texte

für sie geschrieben wurden.»

Bremgartner Anzeiger